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Hyperempfindliche ‚Prinzessin‘ findet ihr Glück auf dem Land

Wer hätte das gedacht, dass ich Stadtmensch, Prinzessin von der Knallerbse, Frau mit hohen Ansprüchen, einmal mein Glück auf dem Land finden werde? Kein: ‚Ich laufe mal eben zum Supermarkt‘, oder ‚Ich habe in meiner Wohnung keine Probleme mit Fliegen‘, ebenso wie: ‚In der Stadt stechen mich kaum Insekten, hier riecht es auch nicht nach frischer Landluft!‘

Wie ich mit meiner Hypersensibilität, Allergien und hohen, aber für mich normale Ansprüche dennoch meinen Weg zum Landleben und zu meinem ‚Bauern‘ mit trockenem Humor gefunden habe und welche Hürden es für mich gab und immer noch gibt, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Hyperempfindliche Prinzessin?

Was ist denn bitte eine hyperempfindliche Prinzessin?
Prinzessin wurde ich von Freunden getauft, weil ich als Stadtmensch mit (für mich relativ normale) Ansprüchen aufs Land gezogen bin. Eine Frau, die sich höchstens in der Kindheit die Finger schmutzig gemacht hatte. Dabei war ich mir oft für nichts zu schade und habe auch schon Toiletten bei der Fastfood Kette mit dem goldenem ‚M‘ geputzt, da es zu meinem damaligen Job dazu gehörte.

Prinzessin auch, weil ich einen Mann kennenlernte, der wie ein Bauer (heutzutage Landwirt genannt) aufwuchs und sich auch dementsprechend verhält. Achtung! Vorurteile.
Dieser ‚Bauer‘ macht sich jeden Tag die Hände schmutzig, läuft am liebsten in Arbeitsbekleidung rum, schlachtet ohne mit der Wimpern zu zucken Tiere (für die Selbstversorgung) und hat einen sehr trockenen Humor.

Was bedeutet die Hyperempfindlichkeit?
Da ich nicht nur ein hochsensibler Mensch, sondern auch noch Allergiker bin, ist es umso unvorstellbarer, dass ich mein Leben auf dem Land mit sehr viel Natur um mich herum verbringe. Auch wenn ich gegen vieles allergisch bin, ist die Natur in meinen/unseren Augen immer wieder die beste Medizin.

Hyperempfindlich und noch hohe Ansprüche?

Meine Hyperempfindlichkeit bezieht sich auf so viele alltägliche Dinge.
Als sensibler Mensch bin ich nicht nur sehr mitfühlend (empathisch), sondern nehme viele Dinge viel bewusster und extremer wahr, als die meisten Menschen. So rieche ich viele Gerüche viel eher und (leider) auch viel intensiver, als andere oder als mein Mann. Ich habe ein viel feineres Gehör, nehme Geräusche oft eher wahr, als Christian und empfinde viele Dinge als sehr störend oder gar unangenehm.

Dazu gehören extrem laute Geräusche, vor allem, wenn es mehrere verschiedene laute Geräusche sind. Extreme Gerüche wie eben die gute, bekannte Landluft (Mist, Gülle, Tiere im Stall usw.). Solche Sachen sind für Christian normal. Auch ich kenne das alles noch aus meiner Kindheit und hatte nie das Gefühl, dass ich damit Probleme hatte. Heute sieht es da ganz anders aus und mir wird schnell mal anders oder ich habe das Gefühl, mir bleibt die Luft weg, wenn es zu stark ‚riecht‘.

Die Allergien machten sich bei mir auch im Hühnerstall bemerkbar. Beim Ausmisten fing plötzlich an alles zu jucken, die Haut wurde rot und meine Augen brannten und juckten. Ebenso reagierte ich auf viele Sträucher und Bäume wie Birke, wovon wir einige im Garten stehen haben.

Die hohen Ansprüche hatte ich meistens daher an mich selbst, aber auch allgemein an das Leben und die Männerwelt.

Meine Ansprüche

Die allgemeinen Ansprüche beziehen sich auf das Leben allgemein: wieso muss immer alles so kompliziert sein? Wieso müssen Menschen krank sein, sich mit Krankheiten quälen? Wieso musste ich krank sein und Allergien haben? Wieso stinken die Tiere und deren Mist so extrem, obwohl ich Tiere so sehr mag?!
In der Stadt hatte ich gar nicht solche Probleme oder Sorgen. Gut, meine Hausstaubmilben Allergie habe ich immer und überall – das ganze Jahr über, aber die restlichen Allergien waren mir nie so bewusst oder eine Belastung.

Ansprüche an ein ’normales‘ Leben.
Normal leben, nicht so überempfindlich zu sein, sich nicht dauernd aufregen zu müssen, dass etwas einen mehr belastet, als vielleicht andere Menschen.

Für mich war es auch so normal, dass ich mal eben die Heizung an machen konnte, wenn mir kalt ist. Aber jetzt sind es eher Stromheizungen, die man nur im äußersten Notfall anmacht (dann lieber im Kinderzimmer) und Kaminöfen, die eine Menge Holz verbrennen, die auch Dreck machen und mit viel Arbeit wie Holz besorgen und Holz hacken verbunden sind. Dinge, die das Leben in einem alten Fachwerkhaus so mit sich bringen.

Doch die Ansprüche an die Männerwelt waren ja auch noch da.
Es kann doch nicht so schwer sein, einen Mann zu finden, der bodenständig ist, mit beiden Beinen fest im Leben steht, der weiß was er will, der aber nicht jedes Wochenende Party machen muss, der ein verantwortungsbewusster Familienmensch ist, der keinem Verein zugehört, der nicht jedes Mal Fußball gucken muss, der sich für keine anderen Frauen interessiert, der ehrlich, treu, loyal und tierlieb ist?!

Ich dachte mir ja schon, dass ich zu hohe Ansprüche hatte und nachdem ich meine Hoffnung schon fast aufgegeben hatte und mir gesagt habe, der nächste Mann in meinem Leben sollte einfach nur ruhig atmen können, lernte ich auf einmal meinen Mann kennen.

Unser Kennenlernen

Die Hoffnung schon fast aufgegeben, teilweise schon resigniert, hatte ich nur noch aus Spaß ein ins eher Lächerliche gezogene Profil auf einem bekannten Datingportal (einer Handy App) und machte mir nichts mehr daraus, wenn mir Männer schrieben. Bis sich Chris bei mir meldete…

Sein Gesicht war mir von Anfang an sehr sympathisch. Sein Profilbild sah eher etwas verrückt aus und auch er hatte etwas Verrücktes in seinen Augen und in seinem Grinsen. Sein Schreibstil war schon etwas eingerostet, so kam es mir jedenfalls vor und das fand ich richtig süß. Also gab ich ihm eine Chance. Denn auf mich machte er den Eindruck, als habe er schon einiges erlebt (ebenso wie ich) und als sei er auf der Suche nach der Richtigen, aber dabei sehr vorsichtig.

Nach mehreren Nachrichten dachte ich mir nur, dass kann doch alles nicht echt sein?! Nach diesem Mann habe ich scheinbar mein ganzes Leben lang gesucht. Er kommt mit einem kleinen Bauernhof, einem Hund, Katze, Schafe, Hühner und Gänse daher und gab mir beim Schreiben schon das Gefühl, dass er es verdammt ernst meinte.

Irgendwie sehr skeptisch, dennoch bereit und offen für etwas Neues – was hatte ich auch schon zu verlieren?! – traf ich mich mit ihm in dem Recklinghäuser Tierpark (Stadtgarten) an dem ich damals meine schnuckelige Dachgeschosswohnung bewohnte.

Das Date war so super aufregend, so etwas hatte ich schon ewig nicht mehr gefühlt. Chris sah aus wie ein sexy College Boy mit seiner Stoff Jacke – die mich an typische USA Colleges erinnerte, seinen blonden Haaren, den blauen Augen und einem Teddybärblick. Es hat mich regelrecht umgehauen, als ich ihn das erste Mal traf und wir uns begrüßten.

Voller Aufregung, mit rot leuchtendem Kopf, spazierten wir gemütlich durch den Tierpark und den Stadtgarten und unterhielten uns dabei über alles Mögliche. Als würden sich alte Freunde die sich schon ewig kennen unterhalten.

Ehrlich gesagt konnten wir uns nicht sofort voneinander trennen und haben noch den gesamten Tag bis zum nächsten Morgen verbracht und über alles gequasselt, als kannten wir uns schon eine Ewigkeit. Es funkte ganz doll zwischen uns und wir verspürten beide eine bei uns noch nie zuvor da gewesene Leidenschaft. Als haben wir endlich unser passendes Gegenstück gefunden.

Das Zusammenleben

Viele die uns schon eine Weile lang kennen, kennen auch unseren holprigen Start, den wir miteinander hatten. Denn aus diesem: ‚es ist einfach zu schön um wahr zu sein‘, wurde viel Angst und Angst kann einen bekanntlich an viele Dinge hindern. Das kann sie auch in Sachen Beziehung.

Aus lauter Angst sich endlich fallen zu lassen, wurden die Mauern noch höher errichtet, als sie eh schon um uns herum standen. Es war nicht einfach, den anderen zu ‚knacken‘ und in sein tiefstes Inneres durchzudringen. Doch mit viel Geduld, vielen Tränen der Enttäuschung, viel Reden, einigen Chancen, dem anderen seine Fehler Vergeben können und kräftigem Wachrütteln, haben wir endlich zueinander gefunden und uns auf den anderen komplett eingelassen.

Und dann gab es kein Halten mehr: es wurden Nägel mit Köpfen gemacht und wir zogen zusammen. Schnell wurde Christian bewusst, dass ich die Frau bin, mit der er sich endlich eine eigene Familie vorstellen konnte. Ein Heiratsantrag kam daher ganz plötzlich und recht früh aus seinem Bauch heraus.

Wer hätte das gedacht, dass dann plötzlich alles so schnell geht? Dass die Stadtprinzessin zu ihrem Bauern aufs Land zieht und ihn heiratet?

Wenig später entschieden wir uns, dass wir uns sehnlichst ein Kind wünschten. Auch wenn ich damals sagte, das mit dem Schwanger werden dauert sicherlich noch eine Weile und könnte sich auch noch etwas Zeit lassen, wurden wir eines Besseren belehrt und ich wurde recht schnell schwanger mit unserem Sohn Yunis. Noch vor seiner Geburt haben wir uns das ‚Ja‘-Wort gegeben und uns einen wunderschönen Tag in Hessen am Edersee gemacht. Nur wir zwei mit Baby im Bauch. Keine Freunde, keine Verwandten oder Bekannte. Nur wir, als unsere eigene Familie und wir haben es nie bereut!

Vom Stadtmenschen zum Landei

Kann man bei mir schon von einem Landei sprechen? Ich behaupte mal: Jein!
Nein wegen der Empfindlichkeit, den Gerüchen gegenüber und dieses: ‚ich kann nicht mal eben in die Stadt oder zum Supermarkt laufen, denn ich brauche ein Auto‘.
Nein wegen den ganzen nervigen Insekten um mich herum, die mich scheinbar jedes Jahr aufs Neue sehr doll lieb haben.
Nein, weil ich immer noch meine gewissen Ansprüche habe, die für Christian nicht unbedingt relevant sind.

Aber auch Ja, weil ich es einfach nur genieße, der Natur so nah zu sein, sie auszukosten in vollen Zügen, von ihr zu lernen, mit ihr zu leben.
Ja, weil ich die Ruhe so sehr genieße, weil ich diesen Stadtlärm leid bin, weil ich eigentlich auch zum Teil schon ein Misanthrop bin und gerne auf (vor allem viele) Menschen verzichte.

Ja, ich bin ein halbes Landei und das ist auch gut so. Denn Christian und ich ergänzen uns so wie wir sind, einfach perfekt und es könnte nicht besser sein.

Während er den Gärtner und Metzger macht, bin ich die Köchin und Bäckerin, die alles aus dem Garten lecker zubereitet. Wo ich helfen kann, bin ich zur Stelle, auch wenn ich nicht gerade mit einem grünen Daumen gesegnet bin. Dafür kümmere ich mich um unsere Technologie und den üblichen Papierkram, was überhaupt nicht Chris seine Materie ist.

Das Leben auf dem Land

Für mich ganz klar die beste Entscheidung in meinem Leben, dass ich zu Chris gezogen bin, dass ich mich auf ihn eigelassen habe, trotz holprigem Start und vielen Steinen die uns im Wege lagen. Wir haben zwei wundervolle Söhne und darauf sind wir verdammt stolz.

Anfangs musste ich immer schmunzeln, wenn Christian sagte, dass er froh ist, dass wir ein hohes Tor haben, welches immer geschlossen ist, unsere Zufahrt relativ versteckt ist und wir hier unsere Ruhe haben. Als Stadtmensch kennt man so etwas eher nicht. Da wird öfter mal versehentlich bei einem geklingelt, die Nachbarn sind nervig, zu laut oder man selbst kann sich nicht so entfalten, wie man es gerne möchte.

Mittlerweile bin ich manchmal gefühlt noch schlimmer als mein Mann und will eigentlich niemand Fremdes auf unserem Hof haben, weil das in mir eine absolute Unruhe auslöst, die ich so auch noch nie von mir kannte. Wir genießen diese Ruhe, dass bei uns manches Mal die Zeit noch still steht, wir nicht immer viel von dem Chaos außerhalb mitbekommen und dass wir jederzeit mitten in der Natur sind.

Wenn wir mal unser kleines Paradies verlassen, dann nur für die nötigsten Besorgungen, oder wenn wir mal spazieren gehen. Dafür haben wir noch einen wunderschönen riesigen Wald (die Haard) bei uns, ein süßes Dörfchen mit vielen Feldern drum herum und wenn man mal auf jemanden trifft, wird sich immer nett gegrüßt und gern auch mal unterhalten.

Für uns ebenfalls nicht mehr wegzudenken: die Selbstversorgung. Auch wenn wir diese noch nicht im ganz großen Stil betreiben, macht es schon einiges aus, dass wir uns mit Obst, Gemüse und Fleisch selbst versorgen können.

Ich habe mein Glück gefunden

Eines steht definitiv fest: wir bevorzugen das Landleben und könnten uns ein Leben in der Stadt nicht (mehr) vorstellen. Ich habe mein Glück gefunden. Es hat mich aufs Land gezogen und mir die Augen geöffnet, wie wunderschön das Leben sein kann. Mein größtes Glück allerdings ist und bleibt meine Familie.

Dafür bin ich unendlich dankbar und genieße einfach jeden Augenblick.

Gegen meine Allergien habe ich mich schon in Behandlung begeben, denn es gibt für alles eine Lösung und mit dem Rest komme ich auch schon irgendwie klar. Die fiesen Gerüche werden mit murren, knurren, meckern und nörgeln auch nicht weg gehen, aber ich kann mich dann immer noch im Haus verstecken und etwas Leckeres kochen, damit es gleich viel besser riecht.

Und ganz so viel Prinzessin bin ich dann ja doch nicht, denn Chris ist schon immer ein Freund von Natürlichkeit gewesen und liebt mich deshalb so sehr, weil ich eher der natürliche Typ bin, der sich so gut wie nie schminkt und sich für vieles nicht zu schade ist.

So hat sich die Prinzessin von einem Stadtmenschen in ein halbes Landei verwandelt und während sie noch einiges über das Landleben von ihrem Bauern lernt, lernt er einiges (unfreiwillig) übers Jammern auf hohem Niveau, Sensibilität und Empfindlichkeit und ab und an mal eine andere Sichtweise der Dinge zu bekommen.

Mit dem trockenen Humor von meinem ‚Bauern‘ komme ich übrigens sehr gut klar, denn ich habe auch manchmal meinen ganz eigenen (manchmal etwas makaberen) Humor und ironiere solange, bis ich zum Sarkasmus komme!

Wie sieht es da bei euch aus? Seid ihr eher der Stadtmensch oder auch lieber ein Landei? Was findet ihr besser, was mögt ihr am liebsten und was gar nicht? Schreibt eure Geschichten doch gerne in die Kommentare, ich bin sehr gespannt, wie ihr so empfindet!

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