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Wir stellen euch vor: unseren Hofhund Gino, 12 Jahre alt, Kangal-Schäferhund Mischling. Wobei an ihm echt ein Wolf verloren gegangen ist, da er nicht nur aussieht wie einer, sondern auch öfter mal so jault. Okay, den Mond heult er natürlich nicht an und er reißt auch keine Schafe, denn sein Instinkt sagt ihm, dass er diese beschützen muss. Und das hat er auch viele Jahre lang gut gemacht.

Gino kommt ursprünglich aus Griechenland. Eine damalige Bekannte von Christian hat ihn retten können, da er der Einzige gewesen ist, der noch über geblieben ist. Seine ganzen Geschwister wurden leider in Griechenland ertränkt und Gino musste alles mit ansehen. Seitdem hasst er auch Wasser.

Christian hatte damals einen Anruf von seiner Bekannten erhalten, dass sie da einen Hund für ihn hätte. Einen Welpen, der eher ein Hütehund sei und Chris solch einen Hund immer haben wollte. Der damalige Hofhund von Christian und seinen Eltern war ein Dackelmix und hat sehr gut aufgepasst, war allerdings auch schon älter und Christian wollte ihm einen Kumpel dazu holen, den er anlernen konnte.

Also hat sich Christian auf den Weg zu seiner Bekannten gemacht und sich diesen kleinen süßen Welpen angeschaut. Der Welpe war als einziger Hund im Garten, denn er wollte nicht im Haus bleiben. Der Garten der Bekannten gleichte einem Mienenfeld. Da hat Gino als Welpe mal ordentlich Gas gegeben. Schockverliebt hat Christian seinen neuen Gefährten sofort mitgenommen und ihm daheim seinen neuen Kumpel, den Dackelmix, vorgestellt. Dem Dackel war allerdings alles egal, er hat dem Welpen erst einmal eine Ansage gemacht und damit war das Thema für ihn durch. So sind sich die beiden auch recht schnell einig geworden, dass jeder für sich seinen Weg gehen wird.



Am Anfang dachte sich Chris noch, dass er mal ausprobieren kann, ob Gino im Haus bleiben würde. Doch dieser Versuch scheiterte kläglich. Denn der junge Hund war alles andere als begeistert und rannte wie verrückt im Kreis herum und behielt alle Fenster und Türen im Auge. Das war ihm nicht geheuer, das war nicht seine Welt. Als er immer panischer wurde, stand für Chris fest, dass Gino ein reiner Hofhund ist. Genauso wie der alte Dackel, der selbst im tiefsten Winter lieber vor seiner Hütte gelegen hat, im Schnee, statt drin auf einer gemütlichen Decke.

Was durften sich Christian und seine Eltern alles anhören, als sie noch Landwirtschaft betrieben. Da kamen die Leute und hatten so viel Mitleid mit diesem armen, kleinen Dackel, weil er ja im Schnee draußen vor seiner Hütte lag. Keine Decke, nichts Warmes war dort. Also durfte sich Christian sein Vater erst einmal eine Standpauke von einer älteren Dame anhören. Als der Vater dann die Dame darum bat, dem Hund doch selbst eine Decke oder Ähnliches zu geben, gab die Dame dem Dackel ihren tollen Seidenschal und legte diesen in seine kleine Hundehütte rein.

Doch was tat der Dackel? Er ging in seine Hütte rein, nahm den schönen Seidenschal der Dame, holte ihn raus und zerfetzte ihn vor seiner Hütte. Dann legte er sich wieder daneben, in den Schnee und starrte ins Nichts.

So ist das eben, mit reinen Hofhunden. Nur die harten kommen in den Garten!

Gino, 12 Jahre alt, Kangal-Schäferhund Mischling

Aus Gino ist ebenfalls ein reiner Hofhund geworden. Als der Dackel irgendwann nicht mehr war, aufgrund seinem hohen Alters, hat Gino immer schön die Stellung gehalten und auf seine Liebsten, die Tiere und den Hof aufgepasst. Da hatte keiner eine Chance auf unseren Hof zu kommen. Er hat Alles und Jeden stramm stehen lassen, der vor unserem Tor stand. Selbst ein Mitarbeiter der Stadt, der sich unserem Zaun zu sehr näherte, wurde angebellt, dass dieser recht panisch wurde. Daher hängen bei uns auch überall Warnschilder.

Zwischendurch hat Christian es noch mal mit einem Kumpel für Gino versucht, hat wieder einen Hund „gerettet“, doch die beiden Hunde sind sich einfach nicht einig geworden und so musste der neue Kumpel den Hof wieder verlassen. Gino ist und bleibt in dieser Hinsicht ein Einzelgänger. Er hat uns, sein Rudel und das genügt ihm völlig.

Unser Hund ist kein richtiger Schmusehund und dennoch schmust er gerne mit uns. Er ist kein richtiger Familienhund und dennoch liebt und beschützt er uns. Er spielt überhaupt nicht gerne. Er kann weder etwas mit Bällen noch mit Stöcker anfangen und das war schon immer so. Er möchte einfach nur sein Ding durchziehen. Und wer sich etwas auskennt weiß, dass er das eindeutig von dem Kangal hat, der da irgendwo in ihm steckt. Kangals kennen ihre Aufgabe. Das sind keine Schmusehunde oder Couchpotatoes. Sie brauchen viel Land und Tiere, die sie beschützen können. So ist es auch bei Gino. Er braucht es einfach, den ganzen Tag auf seinem Hof zu sein und aufzupassen. Vor allem Nachts, wenn sich Mader und Fuchs anschleichen.

Wie oft hat Gino schon Alarm geschlagen, hat sogar auf den eigenen Autos gestanden, weil er so alles besser sehen konnte, von oben. Wie oft er schon Maulwürfe, Ratten und Co erledigt hat, weil sie nichts auf unseren Hof verloren haben. Er weiß genau, dass er niemals ans Geflügel gehen darf und das tut er auch nicht. Was er jedoch gerne mal versucht, ist es an die Hühner Eier ran zu kommen. Unsere Hühner legen gerne mal an verschiedenen Orten ihre Eier und manchmal auch so, dass der Hund da ran kommt und schneller ist als wir. Aber es sei ihm auch gegönnt, denn er ist ja mittlerweile ein Senior und hat viele Jahre lang gute Dienste erwiesen. Jetzt soll er seine Rente ruhig genießen.



Heute ist Gino ein waschechter Senior. Er schläft sehr viel und mag nicht mehr viel unternehmen. Lange Spaziergänge durch die Haard (ein sehr schöner, großer Wald bei uns) sind einfach zu viel für ihn. Ab und an mal eine kleine Runde in der Nachbarschaft tut ihm noch gut, allerdings werden diese Runden auch immer kleiner und weniger. Denn er kann langsam nicht mehr so schön laufen wie früher.

Jetzt erfreut er sich daran, dass sein Herrchen Nachwuchs bekommen hat und er ist so verdammt stolz auf sein Rudel, das kann man ihm richtig ansehen.

Als ich schwanger wurde, haben unsere Tiere es als aller Erstes gespürt. Christian und ich spürten es allerdings auch, aber die Tiere waren mit ihren Signalen deutlicher. Kincka, unsere Katze wurde immer anhänglicher, selbst die Hühner waren immer in meiner Nähe und Gino ist bald ausgeflippt, wenn er mich gesehen hat. Er hat sich immer so gefreut und konnte es kaum abwarten, dass ich nach draußen kam. Was hat er mit meinem Bauch gekuschelt und er ist mir nie von der Seite gewichen. Wenn wir mal Besuch bekamen, hat er sich immer vor mich gestellt, weil er mich vor Alles und Jeden beschützen wollte. So ein treuer, guter Kerl.

Als es dann soweit war und wir aus dem Krankenhaus samt Baby kamen, wusste Gino genau was los war. Er war so aufgeregt, dass er uns fast aufs Auto gesprungen wäre. Doch er wusste auch ganz genau, dass er sein neues Rudelmitglied nur ganz langsam begrüßen durfte. Diese unglaubliche Liebe, die dieser Hund in sich trägt und uns und dem Neugeborenen gegenüber zeigte, rührte uns echt zu Tränen. Er war so unfassbar stolz auf sein Herrchen, er schleckte sein Herrchen die Hand und winselte regelrecht vor Freude. Er schnupperte an dem Baby und rannte vor Freude eine Runde über den Hof, kam wieder und schleckte mich ab, stupste meinen Bauch an, ob alles in Ordnung ist, ob da auch kein Baby mehr drin geblieben ist und war im 7. Himmel.

Seitdem passt Gino immer auf unseren Junior auf und auch sehr doll auf mich. Er ist mir gegenüber noch viel anhänglicher geworden. Wahnsinn, wie sich Tiere uns gegenüber verhalten und wie sie fühlen. Es ist wunderschön.

Jetzt genießt unser Senior seine Rente und wenn er nicht gerade schläft und frisst, dann freut er sich über seine Streicheleinheiten – die aber nicht zu viel sein dürfen, sonst geht er einfach weg – und freut sich auf sein jüngstes Rudelmitglied, was er immer beschützen wird.



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