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Von einer wunderschönen Schwangerschaft zu einer Geburt mit Nachfolgen…

Achtung! Triggerwarnung! Dieser Beitrag kann bei traumatischen Erlebnissen Erinnerungen hervorrufen!

In diesem Beitrag erzähle ich euch von unserer wunderschönen Schwangerschaft, unserer schweren Geburt und den Nachfolgen. Wir sprechen offen über unsere Ängste und Sorgen, als Eltern und als Paar.
So offen wie nie zuvor erfahrt ihr Dinge über uns, die unter die Haut gehen.

Wer eine traumatische Geburt durchgemacht hat, sollte sich bewusst werden, dass dieser Beitrag Erinnerungen wecken kann. Es gibt immer Menschen, die Schlimmeres durchgemacht haben, als wir. Doch wir erzählen hier unsere Geschichte, mit unseren Erfahrungen, Ängsten und Sorgen.

Wie alles begann

Wie soll es auch anders sein: wir waren frisch verliebt und der Kinderwunsch war plötzlich so stark wie nie zuvor. Auch wenn wir zu dem Zeitpunkt noch nicht all zu lange zusammen waren, wussten wir einfach, dass wir zusammen gehören und uns nichts und niemand mehr auseinander bringen kann. Unser Leben hat endlich wieder Spaß gemacht und hat endlich wieder einen Sinn bekommen. Wir sehnten uns immer mehr nach einer eigenen Familie und so sprachen wir andauernd übers Kinder kriegen und waren hin und her gerissen, ob wir es wagen oder nicht.

Christian war sich seiner Sache ziemlich sicher, während ich oft noch Bedenken und Angst hatte. Angst vor der Zukunft. Angst davor, wie es unserem Kind später ergehen wird in dieser Welt. Angst vor der Schwangerschaft, vor der Geburt, vor Schmerzen, vor Verlust usw.
Ich sagte ihm, dass das Ganze sich etwas Zeit lassen kann.

Mein vorheriger Gynäkologe sagte mir noch, dass das dauern kann, bis ich schwanger werde, da ich zuvor mit Hormonen verhütet hatte, auch wenn ich sie nicht lange nahm, da ich sie nicht immer so vertrug. Also machten wir uns nicht all zu viel Hoffnung.

Im ersten Monat nach Absetzung der Hormone passierte auch nichts, was uns recht neutral stimmte, denn wir hatten auch noch keinerlei Erwartungen. Doch im nächsten Monat passierte eine ganze Menge und das nicht nur mit mir…

Die positive Nachricht

Irgendwas war mit den Tieren los. Sie waren ständig so anhänglich. Der Hund freute sich so dermaßen, wenn ich nach draußen kam und wich mir nicht mehr von der Seite. Die Katze war so aufgedreht und wollte regelrecht in mich hineinkriechen.
Da gingen bei mir schon sämtliche Alarmglocken an. Auch Chris spürte es.

Wir spürten es beide von Anfang an. Doch keiner von uns beiden wollte den anderen etwas sagen, weil wir uns nicht gegenseitig verrückt machen wollten. Ich wusste ja, dass Chris sich sehnlichst ein Kind wünschte und wenn dann doch nichts passiert ist, wollte ich ihn nicht unnötig Hoffnung machen. Und Chris wollte mich nicht unnötig stressen oder unter Druck setzen und so behielten wir anfangs unsere Gedanken für uns.

Irgendwann kribbelte und zog es in meinem Unterleib und meine Brüste fingen an zu ziehen und zu schmerzen. Diese Symptome kannte ich so noch gar nicht und ich war mir sicher, es ist passiert! Der Tag meiner Periode rückte näher und ich wusste schon insgeheim, dass da nichts kommen wird. Denn seit einer Woche hatte ich diese Symptome und die Tiere haben es auch gespürt und Chris merkte ich es auch immer mehr an, dass er da etwas spürt.

So bat ich Chris darum, dass er mir am selben Tag meiner beginnenden Periode einen Schwangerschaftstest aus der Drogerie mitbringen sollte, wenn er Feierabend hat.
Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie schnell dieser Mann plötzlich Feierabend gemacht hat und Freude strahlend mit einem Schwangerschaftstest in der Hand vor mir stand.

Ich konnte es selbst nicht mehr abwarten und ging sofort zur Toilette wo ich den Test machte.

Als ich den (kontaminierten) Test in der Hand hielt und das Ergebnis sofort sichtbar wurde, ging ich zu Chris und wollte mir nichts anmerken lassen. Doch er las es direkt an meinen Augen ab und bekam sofort Tränen in seinen Augen. Er nahm mir den Test aus der Hand und sah, dass dieser positiv war. Er strahlte mich an und umarmte mich ganz fest, küsste mich und uns liefen beide vor Freude und Glück die Tränen runter.

Das war der positive Schwangerschaftstest am 07.11.2018

Die schönste Zeit hat begonnen

Was waren wir aufgeregt, dass wir doch so schnell schwanger wurden. Ja, wir wurden gemeinsam schwanger, denn mein Mann war ebenfalls schwanger – zumindest von den Gefühlen, dem ständigen Appetit und der Gewichtszunahme her.

Wir hätten es am liebsten der ganzen Welt erzählt, dass wir ein Baby bekommen. Doch erst einmal mussten wir uns auch ganz sicher sein, dass wir wirklich ein Kind bekommen. So gingen wir zu meinem Gynäkologen in meiner alten Heimatstadt Castrop-Rauxel und erzählten von dem positiven Test und wie sehr wir uns freuten und das gesamte Team freute sich so herzlich für uns mit – es war wunderschön.

Am Anfang konnte man allerdings noch nicht viel erkennen, doch Eines stand fest: ich war wirklich schwanger! Einige Tage später konnte man schon ein wenig mehr sehen.

20.11.2018, endlich konnte man sehen, dass ich wirklich schwanger war.

Das war alles so aufregend und neu für uns. Endlich konnten wir auch anhand des Ultraschalls sehen, dass ich schwanger war und es war so wunderschön, dieses kleine ‚Etwas‘ zu sehen. Wir waren die glücklichsten Menschen und hatten jedes Mal erneut Tränen in den Augen, wenn wir bei meinem Arzt waren.

Der Übervater

Eine wunderbare Zeit fing für uns an und wir genossen es sehr, dass wir das alles erleben durften. Dass wir endlich Eltern wurden, was wir uns immer sehnlichst gewünscht haben und endlich in Erfüllung ging, weil wir uns gesucht und gefunden haben.

Doch so schön und aufregend alles war, hatte ich anfangs kaum noch Appetit. Ich wollte kaum etwas Essen, hatte auf nichts Lust. Nichts schmeckte mir, ab und an war mir auch schlecht, aber ich musste mich zum Glück nicht ein Mal übergeben.

Je weniger ich aß, umso mehr aß Christian. Denn er war so in ‚Love‘ – wie er immer sagte – und hätte vor lauter Glück ständig essen können.

Dabei kümmerte er sich noch so rührend um mich und wollte mir einfach alles abnehmen. Ich durfte plötzlich nichts mehr machen – kein Haushalt mehr machen, kein Einkaufen und schon gar nichts mehr tragen oder heben. Mein Göttergatte mutierte zu einem Übervater. ‚Wo soll das nur hinführen, wenn unser Sohn auf der Welt ist?‘ Ich musste Christian manchmal echt bremsen, doch fand ich seine Art und Weise einfach nur süß und liebte ihn dafür umso mehr, dass er sich so um mich sorgte und kümmerte.

Die schöne Zeit genießen

Der Übervater begleitete mich bei jeder Untersuchung, egal ob Ultraschall, CTG oder Diabetologe. Er war einfach immer für mich da, was ich sehr genoss. Irgendwann erfuhren wir auch, dass wir einen Sohn bekommen und wir konnten endlich drauf los kaufen, was zu einem Jungen passte.

Dabei verliebten wir uns auch schlagartig in die Farbe blau und fanden auf einmal den Anker ganz toll. Überall haben wir nur noch Anker gesehen; Anker auf der Kleidung, Anker auf Dekoartikel – überall! So bauten wir unserem Sohn erst einmal einen Holzanker mit Beleuchtung, damit dieser seine Zimmerwand schön schmückt.

Auch ein kleines Heftlein mit einem Anker drauf wurde gekauft. Es diente mir als Tagebuch während der Schwangerschaft. Wobei ich eigentlich nur einmal die Woche reinschrieb und alles für unseren Sohn festhielt; von den Untersuchungen, den Ultraschallbildern und dem was wir alles in der Zeit erlebt haben und wie sehr wir uns schon auf ihn freuten.

Unser DIY-Anker für unseren Sohn (zu finden unter der Kategorie DIY & Upcycling)

Gut Ding will Weile haben…

Die Kugel wuchs und wuchs. Der Sohnemann wurde immer größer, Mamas Bauch immer runder und Papa sein Bauch war bald größer als der von Mama. So standen unsere Bäuche öfter mal im Wege, wenn wir uns küssten. Wir machten ständig Bauch an Bauch Bilder und amüsierten uns darüber, dass wir beide zusammen schwanger waren. wir hatten richtig viel Spaß und genossen jeden Moment.

Ich fühlte mich richtig wohl in der Schwangerschaft. Es war ein tolles Gefühl. Vor allem, wenn man sein Kind in sich spürt, wie es sich bewegt, es tritt oder trampelt. Wie lustig es manchmal war, wenn es sich gedreht hat und man manchmal seinen Kopf oder den Hintern mit der Hand spüren konnte. Was haben wir einen Spaß gehabt.

Christian hatte schon von Anfang an eine super Bindung zu unserem Sohn, denn sobald unser Sohn in meinem Bauch trampelte oder Schluckauf hatte, hat Chris seine Hand auf meinen Bauch gelegt und schon hatte sich unser Junior beruhigt.

‚Gut Ding will Weile haben, aber es wäre so schön, wenn unser Sohn endlich in unseren Armen liegen würde…‘ Dachte sich Chris. Er konnte es kaum noch abwarten und wurde immer aufgeregter.

So langsam könnte er mal raus kommen…

Liebe Mütter, kennt ihr das? Wenn ihr nur noch kugelrund seid, kaum noch Luft bekommt, watschelt wie ein Pinguin, die Schuhe nicht mehr passen, man dauernd Sodbrennen hat und der Magen sich scheinbar verkleinert hat, weil das Kind alles abquetscht? Oder wenn das Kind einem auf die Nerven liegt und man sich denkt, man hat einen Bandscheibenvorfall, jetzt geht gar nichts mehr? Man liegt wie ein Walross im Bett und rollt sich hin und her, weil man schon gar nicht mehr weiß wie man schlafen soll? Dann ist es kurz vor Schulz und es dauert nicht mehr lange…

Ich muss an dieser Stelle mal meinen Mann loben, wie lieb er immer ist. Er hat mir während der Schwangerschaft die Socken und Schuhe angezogen. Er baute mir sogar extra eine Bank, worauf ich mich setzen konnte und mir die Schuhe von ihm anziehen lassen konnte. Was habe ich gelacht, als ich mich auf die Bank setzte und dachte, dass ich mir so besser die Schuhe anziehen kann und er mir diese aus der Hand nahm und mir angezogen hat. Einfach nur süß, wie liebevoll er mich Pflegefall behandelt hat.

Er hat regelrecht mit mir mit gelitten, wenn ich Sodbrennen hatte und davon nachts wach wurde, wenn mir alles weh tat, ich kaum laufen konnte usw. Es hat ihm in der Seele weh getan und er wollte mir am liebsten alles abnehmen, doch das war ja nicht möglich. Wir hofften einfach, dass unser Sohn sich bald auf den Weg machte…

Mit dem Ende der Schwangerschaft kamen auch die Ängste

Je näher die Geburt ran rückte, umso mehr Angst bekamen wir beide. Angst vor der Geburt, Angst vor den Schmerzen, Angst davor, dass etwas schief gehen könnte…

Während der Schwangerschaft hatte ich öfter schlaflose Nächste, weil ich so eine Angst vor der Geburt hatte. Ich wollte anfangs aus Angst sogar einen geplanten Kaiserschnitt haben, habe mich dann doch noch umentschieden, auch wenn Chris und ich wahnsinnige Angst hatten.

Chris seine größte Angst war es, mich bei der Geburt zu verlieren, denn er hat leider kurze Zeit nach seiner Geburt, seine leibliche Mutter verloren. Sie ist 14 Tage nach der Geburt verblutet. Chris hat sich oft selbst die Schuld dafür gegeben, doch es war niemals seine Schuld.
Er wuchs daher bei seinen Großeltern auf die ihn auch adoptierten.

Solche Ängste sind einfach nicht schön und rauben einem den letzten Nerv. Man hat schlaflose Nächte, ständiges Kopfkino und es zieht einen enorm runter. Man sollte daher nicht zu negativ denken und sich nicht von der Angst beirren lassen.

Die Geburt (Achtung, es wird pikant!)

Nachdem ich schon das Gefühl hatte, dass mir bald der Bauch platzte und ich schon Wassereinlagerungen in Hände, Beine und Füße bekam, ging es auch so langsam los. Freitag der 12.07.2019 löste sich bei mir der sogenannte ‚Schleimpropfen‘ und ich war gespannt, wann es endlich richtig los ging.

Sonntag der 14.07.2019 bekam ich abends ein heftiges Ziehen im Rücken wo ich mir dachte, dass sind bestimmt nur Übungswehen. Ich nahm mir ein warmes Bad um die Schmerzen etwas zu reduzieren und dann gingen wir auch später wie gewohnt ins Bett, ohne sich weiterhin großartig Gedanken zu machen. Doch mitten in der Nacht um halb 3 bin ich vor Schmerzen wach geworden und konnte kaum liegen, stehen oder gehen. Chris hatte so Angst, dass es losgehen würde und hat mir geholfen mich anzuziehen, damit wir ins Krankenhaus fahren konnten.

Den Koffer hatten wir schon für alle Fälle gepackt gehabt und seit einiger Zeit schon im Auto liegen gehabt.

Wir fuhren ins Krankenhaus und eine Ärztin untersuchte mich. Dabei stellte sie fest, dass sich mein Muttermund nur ein klein wenig geöffnet hatte und ich noch warten sollte, bis die Schmerzen bzw. die Wehen regelmäßiger werden oder die Fruchtblase platzt. Also fuhren wir wieder zurück nach Hause, da das Krankenhaus auch nicht weit von uns weg war. Ansonsten hätte ich auch dort bleiben können, aber das wollten ich nicht.

Mit Schlafen war nichts mehr, denn wir waren beide viel zu aufgedreht dafür. Ich nahm noch mal ein warmes Bad und die Schmerzen reduzierten sich etwas. Irgendwann gegen Montag Mittag fuhren wir dann wieder ins Krankenhaus, weil die Schmerzen immer heftiger und regelmäßiger wurden. Ein Arzt im Krankenhaus untersuchte mich und meinte, es könnte noch etwas dauern, aber es tut sich schon was und fragte mich, ob ich nun da bleiben möchte oder noch mal nach Hause in Ruhe etwas essen und mich stärken.

Wir fuhren wieder nach Hause, weil es mir so am liebsten war und aßen beide eine Kleinigkeit und stärkten uns ein wenig. Wir versuchten etwas auf dem Sofa zu dusseln, doch wir waren einfach zu aufgedreht und die Schmerzen fingen wieder an heftiger zu werden. Ich bekam meine Wehen dann alle 10 Minuten lang und es war einfach nur noch nervig für mich, weil ich mich kaum konzentrieren konnte und ich es nur noch hinter mir bringen wollte.

So fuhren wir ein drittes und letztes Mal ins Krankenhau (alle guten Dinge sind drei!). Wir durften direkt in den Kreißsaal, wo wir dann von Montag Abend bis Dienstag Nachmittag (16.07.) blieben!

Der Muttermund öffnete sich nur mühselig und unser Junior ließ sich echt Zeit, obwohl er eigentlich erst zwei Tage später zur Welt kommen sollte – aber er war schon fertig, wie die Ärzte mir sagten.

Wir warteten und ich quälte mir einen ab mit den Wehen. Ich lief hin und her. Habe sogar noch mit Chris Spaziergänge auf dem Krankenhausgelände gemacht, im Krankenhaus, Treppen rauf und runter. Gerobbt wie ein Walross, am Schnaufen wie ein Stier, aussehend wie ein Zombie der das falsche Gehirn gefuttert hat (so kam ich mir jedenfalls vor).

Dann bekam ich einen Zugang gelegt, von zwei Ärzten! Der erste Arzt hat mich mehrfach gestochen und keinen Zugang gefunden und der zweite Arzt hat dann endlich einen Zugang in der linken Hand gefunden und ich bekam eine Infusion, etwas Schmerzlinderndes. Dann kam noch mal der Wehentropf zum Einsatz und dann ein Anästhesist mit meiner heiß ersehnten PDA, auf die ich bestanden habe.

Chris funktionierte einfach nur noch. Er begleitete mich überall hin, massierte mich, gab mir immer wieder etwas zu trinken und hielt meine Hand. Er war immer an meiner Seite. Ohne ihn hätte ich das alles nicht so durchstehen können.

Dann ging es endlich los, der Muttermund war weit genug offen und nachdem wir schon fast einen Tag lang dort waren und 5 Hebammen samt Azubis kennenlernten, leitete die Hebamme die Geburt ein. Auch eine Ärztin kam mit dazu und sie wickelten mir ein Handtuch um den Bauch, das unseren Sohn rausdrücken sollte. Mit aller Macht drückte man mir auf meine Bauch herum um unseren Sohn aus mir raus zu quetschen.

Ich hatte zwar untenrum so gut wie alles taub, aber das heftige Drücken in meinem Bauch spürte ich so krass, dass ich vor Schmerzen schrie. Ich dachte, man zerquetscht mir meine Eingeweide. Ich presste und drückte wie verrückt, doch durch die PDA spürte ich untenrum nichts und dann bekam ich Herzrasen, wo mein Puls eh schon die ganze Zeit zwischen 150 und 170 war. Ich dachte, mir platzt der Kopf beim pressen und ich sah schon Sterne.

Dann machten wir eine kleine Pause und Chris kramte auf Anweisung der Ärztin aus einer Schublade einen Handspiegel, den er mir gab und ich konnte damit den Kopf von unserem Sohn sehen, wie er ein kleines Stück aus mir raus ragte. Ich fühlte ihn mit der anderen Hand und ich weinte vor Freude!

Dann ging es weiter und ich presste so feste ich konnte und die Hebamme und Ärztin halfen mir mit aller Kraft. Dann war er endlich draußen, unser Sohn! Um 13:07 am 16.072019 mit 3440 Gramm, 52 cm und einem Kopfumfang von 36 cm.

Sie legten ihn mir auf meine Brust und ich spürte seine Wärme, wie klein und zerbrechlich er war. Ich konnte mein Glück kaum fassen! Die Nabelschnur lag auf mir drauf und ich berührte sie und erschrak, weil sie so feste vibrierte und pulsierte.

Christian küsste mich und war überglücklich, dass ich es geschafft habe, dass wir unseren Sohn endlich in unseren Armen halten können. Er schnitt noch die Nabelschnur durch und assistierte ein wenig der Ärztin, die mich wieder zusammenflickte, da ich mehrfach eingerissen bin. Zum Glück kein Dammschnitt! Dennoch genug Schäden…

Die beste Hebamme die wir dort kennenlernten, kümmerte sich mit einer Auszubildende um unseren Sohn. Sie wogen und maßen ihn. Dann kam ich in ein anderes Zimmer wo Christian mit unserem Sohn aufm Arm unter einer Wärmelampe saß und sich einen zurecht schwitzte, im Hochsommer und ich noch mal kontrolliert wurde, da etwas nicht stimmte.

Da war sie wieder, die große Angst, dass etwas schief geht.

Die Nachwehen

Die Ärztin stellte fest, dass ich sehr viel Blut verlor und dass sich Blutgerinnsel (Koagel) gebildet hatten. Sie musste noch mal in mir drin ‚wühlen‘ und diese Gerinnsel aus mir holen. Zum Glück war noch alles betäubt untenrum, aber es fühlte sich komisch an und ich sah die Angst in Chris seinem Gesicht stehen.

Als die Ärztin erst mal Entwarnung gab, kamen wir auf ein Zimmer, wo ich zum Glück erst mal alleine war. Doch natürlich hatten wir nicht lange unsere Ruhe und so wurde unser Sohn noch mal untersucht und angezogen. Ich hingegen sollte zur Toilette kriechen, mit Wackelpudding Beinen und verlor immer wieder diese Blutgerinnsel, sodass die Hebamme noch mal in unser Zimmer kam und mir mit der Faust ganz feste auf den Bauch drückte, um diesen Blutfluss aus mir zu pressen. Es war einfach nur schlimm, schmerzhaft und heftig. Doch das musste sein! Ich wollte schließlich so schnell wie möglich mit meiner Familie nach Hause und gesund werden.

Ich bekam eine tolle Lavendelspülung für meine Toilettengänge. Doch da ich auch am Harneingang gerissen bin und genäht wurde, viel es mir sehr schwer mit dem Wasser lassen. So musste man mir zwei mal einen Katheter setzen, weil es anders nicht ging.

Beim dritten Mal Katheter Ankündigung habe ich alle Kraft zusammengenommen, dass ich endlich alleine Wasser lassen konnte. Und es ging, zwar mühselig und schmerzhaft, aber es ging!

Die Nacht musste ich leider alleine mit unserem Sohn im Krankenhaus verbringen und Chris alleine zu Hause. Aber es wurde auch Zeit, denn er musste sich schließlich noch um unsere Tiere kümmern.

Wir haben beide wieder kaum geschlafen, bei der ganzen Aufregung. Es stellte sich auch heraus, dass Chris leicht traumatisiert war, wegen der Geburt und dem vielen Blutverlust, den ich hatte. Er hatte zu Hause einen leichten Nervenzusammenbruch, weil er so panische Angst hatte mich zu verlieren.

Als er am nächsten Morgen ganz früh ins Krankenhaus kam, sah er aus wie ein Haufen Elend. Und mir hatte man gar nicht angesehen, dass ich tagelang nicht geschlafen habe und tagelang mit Wehen kämpfte und ein Kind zur Welt brachte. Ich sah einfach nur glücklich und zufrieden aus.

Endlich zu Hause

Voller Glück und Zufriedenheit nahm Chris seinen Sohn auf den Arm und ließ seine Tränen einfach laufen. Er umarmte und küsste mich und war so stolz auf mich, dass ich das alles geschafft habe. Wir waren endlich komplett!

Nachdem ich noch einige Untersuchungen hatte und man keine Blutgerinnsel mehr festgestellt hatte, unser Sohn auch untersucht wurde, durften wir endlich nach Hause. Einen Tag nach Yunis seiner Geburt.

Im Krankenhaus hatte Yunis einen Ausschlag im Gesicht gehabt, der komischer Weise daheim sofort verschwand. Wir waren heilfroh, dass wir nach Hause konnten.

Unser Hund Gino ist vor Freude regelrecht ausgeflippt! Er hat sich so sehr auf sein neues Rudelmitglied gefreut und vor lauter Freude den Chris angesprungen und regelrecht abgeknutscht. Er schnupperte an meinem Bauch um auf Nummer sicher zu gehen, dass da auch keiner mehr drin ist und er beschnupperte Schwanzwedeln unseren Sohn und stupste ihn mit seiner Nase an. Es war ein wirklich rührender Moment, den wir alle niemals vergessen werden.

Zu Hause angekommen war alles besser. Die ganze Atmosphäre war besser. Es war egal, dass ich unten zig mal genäht wurde, kaum laufen oder sitzen konnte. Ich war endlich wieder zu Hause und unser Sohn ist auch angekommen. Es war ein wunderbares Gefühl.

Die erste Nacht zu Hause mit Baby

Yunis lag anfangs bei uns im Schlafzimmer in einer süßen kleinen Rattan Wiege, direkt neben mir. Die erste Nacht war für Yunis ganz schwer und ungewohnt. Er war ja nicht mehr in meinem warmen Bauch drin, wo er eng eingekuschelt lag. Er lag jetzt einfach da, alleine in seiner Wiege und das war so ungewohnt, dass wir ihn immer wieder auf unseren Arm nahmen.

Doch Chris wollte unbedingt, dass ich mich etwas erhole und Schlaf nachhole, weil mein Körper sehr viel durchgemacht hatte, sodass er den Kleinen genommen hat und mit ihm nach unten in unser Wohnzimmer ging, um mich oben im Schlafzimmer schlafen zu lassen.

So holte ich ein wenig erschöpfter Weise Schlaf nach und Chris schaukelte unter mir unseren Sohn im Halbschlaf und fütterte ihn.

Kein Stillen!

Das mit dem Füttern war sehr praktisch, da ich nicht stillte. Ich wusste von vornherein schon, dass ich nicht stillen kann, weil es mir zu schmerzhaft ist. Und so war es auch. Im Krankenhaus legte ich unseren Sohn an meine Brust und dachte, er beißt mir diese gleich mit seinen kleinen Gaumen ab. Selbst der Kinderarzt stellte beim Gaumentest fest, dass unser Sohn schon eine enorme Kraft im Gaumen hatte.

Nein Danke, bei aller Liebe!

Er bekam also Fläschchen und wir stellten sehr schnell fest, dass nichts gut genug für ihn war und er von meinem bisschen Milch wohl eh niemals satt geworden wäre…

Wir mussten einige Milchsorten ausprobieren, bis wir ihn mal satt bekommen haben. Denn er hatte einen sehr guten Appetit!

Im Endeffekt landeten wir ganz schnell bei der Folgemilch und auch diese wurde schnell abgelöst, denn Ende des 3. Monats bekam er schon Beikost, weil er unbedingt immer von uns mit essen wollte und das hat wunderbar geklappt. Im 6. Monat verweigerte er endgültig seine Milch und wir blieben bei Wasser. Ab und an Mal einen Tee, aber bis heute ist er ein Wassertrinker durch und durch.

Christian meinte immer, dass er selbst mit Ziegenmilch groß geworden ist, dass seine Großeltern eine Milchziege hier hatten und dass Yunis das garantiert auch gut getan hätte. Hätten wir es mal ausprobiert – aber es ging ja dann am Ende auch ohne!

Die Nachfolgen einer Geburt

Während unser Sohn fit und munter war, der Papa stolz und überglücklich auf seinen Sohn und das Vatersein war, musste die Mutti unbedingt zu Kräften kommen.

Wochenbett nennt sich die Zeit, in der die Mutter mit dem Baby für Wochen im Bett liegen bleibt.

Daran war überhaupt nicht zu denken! Denn ich musste ständig laufen, wollte raus an die frische Luft und bin ständig spazieren gegangen. Chris und Yunis natürlich immer mit dabei.

Wir hatten übrigens keine Hebamme gehabt, außer bei der Geburt im Krankenhaus. Wir wollten das einfach nicht, weil wir einfach nur unsere Ruhe haben wollten. Das war auch gut so und mein Gynäkologe war ausreichend genug, da haben wir uns immer sehr wohl gefühlt. Also hieß es mit dem Junior zum Kinderarzt wegen der U2, dann anmelden bei der Stadt (zum Glück waren wir dann schon verheiratet und Yunis hatte automatisch den gleichen Namen wie Chris) und mit mir zum Arzt.

Mein Gynäkologe stellte dann fest, dass ich wirklich sehr viel Blut verloren habe und einen erhöhten Eisenmangel hatte. So musste ich eine ganze Zeit lang Eisen Tabletten zu mir nehmen. Und auch sonst war es ein Krampf mit den Nachfolgen der Geburt.

Da waren ja noch die Nähte und Fäden im unteren Bereich. Wer durfte mir die Fäden ziehen? Nur mein Mann! Und jetzt wird´s noch intimer und vor allem lustig:

Mein Mann hat so eine tolle Stirnlampe, die er immer ‚Grubenlampe‘ nennt und damit abends im dunkeln über den Hof läuft um Holz zu holen und die Ställe zu zu machen. Mit dieser Lampe auf den Kopf und Pinzette und Schere in der Hand, konnte Herr Doktor Christian Kettler mir die Fäden ziehen.

Ihr glaubt gar nicht wie bescheuert und lustig das ausgesehen hatte. Was glaubt ihr, wer hat dabei am meisten geschwitzt? Chris oder ich? Haha

Die Ärztin hat auf jeden Fall sehr gute Arbeit geleistet! Ich muss sagen, ich hab selbst heute noch manchmal ziehen und Druck an den Narben, wenn ich in der Hocke bin. Das sind so die Nachfolgen einer Geburt. Ebenso wie Haarausfall, der sich lange Zeit nicht beruhigen will.

Unser Sohn ist mittlerweile über 18 Monate alt und ich hab heute noch etwas Last mit dem Wasser lassen, meinen Haaren und meinem Gewicht. Aber hey, damit kann ich wunderbar leben. Denn wichtig ist, dass wir alle gesund sind und dass unser Sohn auf der Welt ist, gesund und munter, dass wir eine Familie sind und wir unseren Sohn jeden Tag in den Arm nehmen und knuddeln können.

Wir können unser Glück immer noch nicht fassen und sind unglaublich stolz und wahnsinnig glücklich. Es war die beste Entscheidung, die wir je getroffen haben.

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